3D Gaussian Splatting Vergleich Virtueller Rundgang

3D Gaussian Splatting oder 360°-Rundgang: Was passt zu Ihrem Projekt?

Von Olivier Kerremans ·

Der 360°-Rundgang ist eine gut etablierte Technologie, dem Publikum seit mehreren Jahren vertraut. 3D Gaussian Splatting ist etwas völlig anderes: ein jüngerer technologischer Durchbruch, auf dem Markt noch selten, der die Regeln aufmischt und Möglichkeiten eröffnet, die der 360°-Rundgang schlicht nicht bieten kann.

Es sind nicht zwei Technologien, die sich den Markt gleichberechtigt teilen. Es ist der Eintritt eines Werkzeugs einer höheren Generation in einen Raum, in dem sich die ältere Technologie gut eingerichtet hat. Und wie jeder Durchbruch ersetzt sie nicht alles über Nacht: Sie beantwortet, was die ältere nicht leisten konnte.

Dieser Artikel hilft Ihnen, die tatsächlichen Stärken jeder Variante zu verstehen und je nach Projekt zu wählen.


Der 360°-Rundgang: gut etabliert, bewährt, zugänglich

Über die Jahre hat sich 360° als Publikumsreferenz für virtuelle Rundgänge durchgesetzt. Er entsteht aus Panoramafotos, die von festen Punkten aus mit einem Spezialgerät auf dem Stativ aufgenommen werden. Diese Aufnahmen werden anschliessend zusammengefügt und verbunden, sodass ein von Punkt zu Punkt begehbarer Weg entsteht.

Was er gut macht. Es ist ein Format, das das Publikum kennt und beherrscht: von einem Punkt zum anderen in einem Raum zu navigieren ist unmittelbar verständlich. Die fotografische Qualität auf den erfassten Blickwinkeln ist ausgezeichnet: Farben, Materialien und natürliches Licht werden getreu wiedergegeben. Die Kompatibilität ist maximal: ältere Smartphones, eingeschränkte Verbindungen, Firmen-Tablets, nichts blockiert. Und seit einigen Jahren hat die Verbreitung handelsüblicher 360°-Kameras diese Technologie für private Projekte oder Experimente fast jedem zugänglich gemacht.

Seine Grenzen. Die Navigation erfolgt durch Teleportation: Man springt von einem festen Punkt zum nächsten, ohne sich je frei im Raum dazwischen zu bewegen. Was die Kamera nicht fotografiert hat, existiert nicht. Bei grossen Räumen oder komplexen Volumen steigt die Zahl der nötigen Aufnahmepunkte für eine saubere Abdeckung rasch an. Gamification und fortgeschrittene Interaktionen gehören nicht zu seinem nativen Repertoire. Und wenn das Erlebnis ebenso zählt wie die Information, stösst 360° rasch an seine Grenzen.


3D Gaussian Splatting: ein Durchbruch, keine Weiterentwicklung

3D Gaussian Splatting erzeugt keine Fotos: Es rekonstruiert einen dreidimensionalen Raum aus Tausenden von Bildern, die in kontinuierlicher Bewegung erfasst werden. Das Ergebnis ist eine Wolke aus mehreren Millionen Gauss-Punkten, von denen jeder Informationen über Position, Ausrichtung, Grösse und Farbe trägt. In Echtzeit im Browser gerendert, erzeugt diese Wolke die Illusion, sich frei durch einen fotorealistischen Raum zu bewegen, aus jedem Blickwinkel.

Es ist eine junge Technologie, auf dem Markt noch wenig verbreitet. In der Schweiz gehören wir zu den Allerersten, die sie für professionelle Projekte anbieten.

Was es gut macht. Die Navigation ist frei und kontinuierlich. Keine festen Punkte, keine Teleportation: Man bewegt sich durch den Raum, wie man gehen würde, aus jedem Blickwinkel, auch aus solchen, die bei der Erfassung nicht vorgesehen waren. Bei grossen Volumen oder architektonisch komplexen Räumen ist der Unterschied sofort sichtbar.

Gamification ist nativ: geführte Wege, Points of Interest, Audio- oder Videoinhalte, interaktive Figuren, alles lässt sich direkt ins Modell einbinden. Das bieten unsere Angebote Erzählung und Erlebnis.

Bei der Aufnahmezeit ist 3DGS ebenso schnell, bei grossen Räumen sogar schneller als 360°: Eine einzige Sequenz kontinuierlicher Bewegung kann eine Fläche abdecken, die in 360° mit einer Vielzahl von Punkten markiert werden müsste. In der Nachbearbeitung können beide Technologien schnell sein oder mehr Zeit verlangen, je nach angestrebtem Erlebnisniveau.

Seine Grenzen. Die Dateien sind schwerer und das Rendering erfordert ein Gerät mit einer GPU, die Echtzeit-3D beherrscht. Sehr alte oder günstige Smartphones können ins Stocken geraten. Die Beherrschung von 3DGS verlangt geeignetes Material, spezifische Software, eine sorgfältige Aufnahmemethode und technische Erfahrung, die der 360°-Rundgang für den Hausgebrauch nicht voraussetzt. Und schliesslich sind Messungen aus einem 3DGS-Modell in der grossen Mehrheit der Fälle nutzbar (Schätzung von Flächen, Abständen, räumlicher Anordnung), doch wenn millimetergenaue Aufnahmen für einen Architekten oder ein Ingenieurbüro nötig sind, eignen sich andere Werkzeuge besser.


Den Unterschied im Video sehen


Vergleichstabelle

Kriterium360°-RundgangImmersiveTech 3DGS-Erfassung
NavigationTeleportation von Punkt zu PunktFreie, kontinuierliche Erkundung
Visuelle DarstellungPanoramafoto, sehr gut auf erfassten WinkelnFotorealistisch aus jedem Blickwinkel
GamificationBegrenztJa (Wege, Points of Interest, Interaktionen)
KompatibilitätMaximal, alle Geräte auch ältereAlle aktuellen Browser, GPU erforderlich
Technische ZugänglichkeitHandelsübliche 360°-Kamera genügtSpezialisiertes Material, Software und Methode
Extrahierte MessungenNeinIn 90% der Alltagsfälle nutzbar
Empfohlener EinsatzNebenprojekte, Experimente, maximale KompatibilitätKomplexe Räume, Archiv, Gamification, Immersion

Wann den 360°-Rundgang wählen

360° bleibt in bestimmten Situationen eine gute Wahl.

Ein privates Projekt, ein Hobby, ein Experiment. Sie haben eine 360°-Kamera und möchten das Format für Ihre Tätigkeit, Ihre Wohnung oder ein Nebenprojekt testen. 360° ist zugänglich, schnell produziert und verlangt keine spezialisierten Kenntnisse.

Maximale Kompatibilität ist eine absolute Vorgabe. Wenn Ihre Zielgruppe ältere Geräte oder sehr eingeschränkte Verbindungen nutzt, bleibt 360° die zuverlässigste Wahl. Es funktioniert dort, wo 3DGS auf Schwierigkeiten stossen kann.

Ein Katalog von Standardobjekten mit strengen Budgetvorgaben. Um rasch eine grosse Zahl identischer Objekte kostengünstig zu dokumentieren, ist 360° ein wirksames Werkzeug.


Wann 3D Gaussian Splatting wählen

Für die grosse Mehrheit professioneller Projekte bietet 3DGS ein Erlebnis, das 360° nicht erreichen kann.

Der Raum ist gross oder volumetrisch komplex. Ein Denkmal, ein Schloss, eine Industriebaustelle, ein Campus: Die freie Navigation erlaubt es, Volumen zu erkunden, denen keine Reihe fester Punkte gerecht werden kann.

Sie wollen ein getreues Archiv. Vor einer Renovation, vor einem baulichen Umbau, vor einer Schliessung: 3DGS erfasst den genauen Zustand des Raums aus jedem Blickwinkel, Jahre später begehbar.

Gamification oder Interaktionen gehören zu Ihrem Projekt. Geführter Weg, interaktive Figur, Quiz, Aktivierung bei einem Event oder Patientenpfad im Gesundheitswesen: das ist ausschliesslich das Terrain von 3DGS.

Sie wollen sich abheben. In Events, Kulturerbe, gehobenen Immobilien oder Gesundheit schafft ein Erlebnis mit freier Navigation einen unmittelbaren Vorsprung gegenüber Mitbewerbern, die alle dieselben standardisierten Formate zeigen.

3DGS ist auf dem Markt noch selten. Das wird nicht immer so bleiben. Diese Technologie jetzt einzuführen bedeutet, einen Vorsprung zu gewinnen, der sich rasch amortisiert.


Was weder das eine noch das andere ersetzt

Wenn Sie präzise technische Pläne, eine BIM-Extraktion oder millimetergenaue messtechnische Aufnahmen für einen Architekten oder ein Ingenieurbüro benötigen, brauchen Sie einen Punktwolken-Laserscanner. 3DGS liefert Messungen, die für die meisten alltäglichen Zwecke nutzbar sind, aber nicht für den präzisen messtechnischen Einsatz.

Ebenso gibt kein virtueller Rundgang das sinnliche Erleben eines Ortes wieder. Diese Technologien qualifizieren das Interesse und beseitigen Hürden aus der Ferne. Sie ersetzen nicht den physischen Besuch für jemanden, der sich entschieden hat, zu kommen.


Die Frage, die man sich vor der Wahl stellen sollte

Was sollen die Personen, die diesen Link erhalten, tun oder empfinden?

Lautet die Antwort «sich von ihrem Telefon aus, welches auch immer, rasch ein Bild von einem Standardraum machen», kann 360° genügen.

Lautet die Antwort «frei erkunden, das Volumen verstehen, ein Erlebnis haben oder einem geführten Weg folgen», ist 3DGS die richtige Antwort. Und in der weit überwiegenden Mehrheit professioneller Projekte überwiegt diese zweite Antwort.

360° hat den Markt gut etabliert. 3DGS gestaltet ihn nun neu.

Für weitere Einblicke sehen Sie unsere Referenzen in 3D Gaussian Splatting oder entdecken Sie unsere drei Engagement-Angebote.

Sprechen Sie mit uns über Ihr Projekt, bevor Sie entscheiden: Wir geben Ihnen eine ehrliche Empfehlung, ausgerichtet auf das, was Sie erreichen möchten.

Häufige Fragen

Kann 3D Gaussian Splatting einen 360°-Rundgang ersetzen?

Ja bei den meisten professionellen Projekten, nein in Fällen, in denen die Kompatibilität mit älteren Geräten eine absolute Vorgabe ist. 3DGS bietet freie Navigation und fotorealistische Darstellung aus jedem Blickwinkel, während der 360°-Rundgang zwischen festen Punkten teleportiert. Für einen standardisierten Katalog zu geringen Kosten bleibt 360° eine solide Wahl.

Braucht man ein VR-Headset, um ein 3D-Gaussian-Splatting-Modell zu betrachten?

Nein. Ein 3DGS-Modell wird in einem gängigen Webbrowser betrachtet, auf Computer, Tablet oder aktuellem Smartphone. Keine App, keine Installation, kein Headset. Erforderlich ist eine GPU, die Echtzeit-3D-Rendering beherrscht, was bei nahezu allen in den letzten Jahren erschienenen Geräten der Fall ist.

Eignet sich 3DGS für präzise messtechnische Aufnahmen?

Für die meisten alltäglichen Zwecke (Schätzung von Flächen, Abständen, räumlicher Anordnung) ja. Für millimetergenaue Aufnahmen für einen Architekten oder ein Ingenieurbüro bleibt ein Punktwolken-Laserscanner die Referenz. 3DGS und Laserscanning lassen sich im selben Projekt kombinieren.

Wie lange dauert die Erstellung eines 3D-Gaussian-Splatting-Modells?

Die Erfassung vor Ort dauert je nach Grösse des Ortes typischerweise wenige Minuten bis einige Stunden. Das fertige Modell wird innert 24 bis 48 Stunden über einen teilbaren Weblink geliefert und ist von jedem aktuellen Gerät aus zugänglich.

Ist ein 360°-Rundgang technisch zugänglicher als 3DGS?

Bei der Produktion ja, eine handelsübliche 360°-Kamera kann genügen. Für die Betrachtung funktionieren beide Technologien mit aktuellen Browsern. 3DGS setzt eine GPU voraus, die Echtzeit-3D-Rendering beherrscht, was einige sehr alte Smartphones ausschliesst. 360° funktioniert überall.

Haben Sie ein Projekt im Sinn?

Antwort innert 24 Stunden.